Der Ostwest-Express e.V. hatte beim 24-Stunden-Rennen am Alfsee auch dieses Jahr wieder alles dabei: Schweiß, Staub, müde Beine, ruppige Trails, nervige Grasgeraden und dieses scheinbar harmlose, aber brutal kraftfressende Hoch und Runter über den Deich. Mitten drin: der Ostwest-Express e.V., der gleich mit zwei Teams an den Start ging – und am Ende ein Wochenende ablieferte, das sich mehr als sehen lassen konnte.
Im hart umkämpften 4er-Männerteam gingen Teamkapitän Michael gemeinsam mit Silvio, Dennis und Marko an den Start. Unterstützt wurden sie von Betreuer Tobi, der vermutlich nicht nur mehr Stresskilometer gemacht hat als mancher Fahrer auf der Strecke, sondern unterwegs auch so manchem Fahrer mehr Ohrenschmalz beschafft hat, als ihm eigentlich lieb war. Aber genau das gehört bei einem erfolgreichen Team eben dazu: motivieren, antreiben und auch mal klare Ansagen machen, wenn nach vielen Stunden Rennen der Kopf langsam anfangen will zu diskutieren.
Der Start lief für das Männerteam wie aus dem Bilderbuch. Schnell setzte man sich an die Spitze und fuhr einen ordentlichen Vorsprung heraus. Doch beim 24-Stunden-Rennen reicht eine kleine Unachtsamkeit – oder in Markos Fall einfach zu viel Druck auf dem Pedal – und plötzlich verabschiedet sich eine Kette. Aus Platz eins wurde zwischenzeitlich Platz drei.
Aber genau in solchen Momenten zeigt sich, warum Erfahrung Gold wert ist. Michael hielt die Mannschaft zusammen, organisierte, motivierte und trieb seine Jungs wieder Runde um Runde nach vorne. Und diese Runden hatten es in sich: rund 12 Kilometer und etwa 90 Höhenmeter pro Runde – wohlgemerkt nicht gemütlich rollend, sondern auf ständig wechselndem Untergrund, durch ruppige Passagen und über diese endlosen Grasgeraden, die sich irgendwann anfühlten wie Gegenwind auf Teppichboden.
Dazu kam dieses permanente Deich-Auf-und-Ab. Keine riesigen Berge, aber genau die Art von Anstiegen, die über 24 Stunden langsam jede Kraftreserve auffressen. Und selbst als das 4er-Männerteam am Ende bereits vier Runden Vorsprung herausgefahren hatte, ließ Michael keinerlei Nachlassen zu. Sein Kommentar dazu war typisch Teamkapitän: „Wer nicht Vollgas fährt, ist nicht voll konzentriert und macht Fehler.“ Also wurde weiter attackiert, weiter gefahren und weiter alles gegeben – genau diese Mentalität machte am Ende den Unterschied.
So standen schließlich beeindruckende 46 Runden auf der Uhr. Das bedeutet rund 552 Kilometer und etwa 4.140 Höhenmeter – und damit der souveräne Sieg in dieser absoluten Hardcore-Klasse.
Nicht weniger legendär unterwegs war das E-Bike-Team mit Sören, Maik, Ronald und Frank sowie Betreuer Jürgen. Altersmäßig vermutlich das erfahrenste Team im Teilnehmerfeld. Manche munkelten auch, es könnte eventuell das schwerste Team gewesen sein – allerdings wurde das aus Fairnessgründen selbstverständlich nie offiziell nachgewogen. Aber wie heißt es so schön: Entscheidend ist nicht das Gewicht, sondern wie schnell man es bewegt.
Von Beginn an kämpfte das Team um die Plätze zwei bis vier. Besonders Sören zauberte mit seinem E-Mountainbike Rundenzeiten auf die Strecke, bei denen manche Konkurrenz vermutlich heimlich kontrollierte, ob da irgendwo ein zweiter Akku versteckt war.
Doch auch hier war Teamarbeit der Schlüssel. Gerade nachts, wenn der Körper langsam in den Energiesparmodus wechseln möchte, werden Betreuer zu echten Lebensrettern. Als Frank morgens komplett zerstört im Bus lag, brachte Jürgen mit einem frisch gekochten Kaffee die Lebensgeister zurück in den Körper. Man sieht also: Gute Betreuer reichen nicht nur Getränke – sie retten ganze Rennwochenenden.
Auch das E-Bike-Team musste sich durch die ruppigen Streckenabschnitte, die zähen Grasgeraden und das ewige Deich-Auf-und-Ab kämpfen. Am Ende standen starke 43 Runden auf der Anzeige – also rund 516 Kilometer und etwa 3.870 Höhenmeter. Damit sicherte sich das Team einen verdienten dritten Platz, gerade einmal eine Runde hinter Platz eins.
Unterm Strich war das Rennwochenende für den Ostwest-Express e.V. also ein voller Erfolg: Sieg im 4er-Männerteam, Podium beim E-Bike-Rennen und jede Menge Geschichten, über die man vermutlich noch bis nächstes Jahr lachen wird.
Und eines bleibt am Alfsee sowieso jedes Jahr gleich: Das Gesamtpaket ist einfach überragend. Top organisierter Campingplatz, ausreichend Duschen, funktionierende Klos und vor allem eine Verpflegungszone, die wahrscheinlich zu den besten gehört, die man bei einem 24-Stunden-Rennen finden kann. Dafür kann man dem Veranstalter und seinem gesamten Team nur großen Respekt und ein dickes Dankeschön aussprechen.
In diesem Sinne: Danke für ein grandioses Rennwochenende – und bis nächstes Jahr. Denn irgendwer muss diese Grasgeraden ja wieder verfluchen.
Gruß Frank
